Hintergrund

In Science Fiction Ideen realistisch möglicher Zukunftszenarien finden

SF-Autoren kennen die Zukunft so wenig, wie andere Menschen.
Sie fabulieren und phantasieren, schreiben Geschichten – und sind dabei genauso im Zeitgeist verhaftet wie andere Menschen. Dies wird deutlich, wenn man sich ältere SF-Werke ansieht. Manche Zukunftsvisionen sind, wie Jules Vernes Reisen zum Mond eingetroffen, wenn auch in der Regel etwas anders, als es die Autoren sich ausmalten. Was Vernes Mondflug-Idee angeht, so erfolgten die Reisen eben nicht per Kanone, sondern per Rakete.

Andere Visionen, wie Zeitreisen und wohl auch das „Beamen“ – Teleportation also, werden praktisch immer Utopien bleiben, Bestandteile von Zukunftsmärchen. Allen diesen Ideen sind Merkmale ihrer jeweiligen Epoche aufgeprägt, sei es in Gestalt dampfbetriebener Roboter oder als Raumflotten-Befehlshierarchien, die noch direkt aus der Zeit von Admiral Nelson stammen könnten.

Dennoch kann es sich für Zukunftsforscher lohnen, einen Blick auf die Werke und Ideen in der Science Fiction zu werfen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man SF nicht als prognostische Literatur missversteht, sondern sie eher als eine Art Sensor für heutige Veränderungen begreift. Im besten Fall kann sie sogar – wie sich gut an der Raumfahrt nachweisen lässt – Impulsgeber und Inspirationsquelle für Innovationen sein …

In der Terminologie der Zukunftsforscher formuliert:
Welche Weak Signals und welche Wild Cards lassen sich in der Science Fiction auffinden?

Weak Signals
sind dabei schwache Signale, erste, noch wenig deutliche, wenig verbreitete Hinweise auf mögliche Veränderungen. Was bedeutet es beispielsweise, wenn in der neueren SF Szenarien geschildert werden, in denen innerhalb der Menschheit neue, veränderte Menschen (etwa Nancy Kress’ Schlaflose) auftreten? Ist das nur ein Reflex auf zunehmende Kommunikationsbarrieren zwischen den Generationen? Oder heißt dies, dass über kurz oder lang der Transhumanismus gesellschaftlich akzeptiert sein wird? Antworten werden bei solchen Weak Signals erst einmal nicht gesucht, sondern eigentlich geht es um die Fragen, die uns weiterführen, die unser prognostisches Denken in bestimmte Richtungen lenken.

Wild Cards
sind dagegen überraschend eintretende Störereignisse. Geschehnisse, die eine geringe Wahrscheinlichkeit haben, die eigentlich als ausgeschlossen gelten können, die aber, wenn sie jemals eintreten, massive Wirkungen haben können. In der Science Fiction findet man solche Wild Cards. Fast jede Story, die nach dem IF-Prinzip („Was wäre wenn?“) konstruiert ist, setzt eine Wild Card voraus. Für die Zukunftsforschung sind typische Wild Cards – beispielsweise eine gravierende Änderung des Klimas oder ein Durchbruch bei Neurotechnologien – äußerst relevant, denn sie öffnen den Horizont für neue Zukunftsmöglichkeiten. Sie zwingen dazu, Zukunft nicht nur in Trends (also Fortschreibungen aktueller Entwicklungen) zu denken.

Wer Weak Signals ernst nimmt und sich auf zumindest einige Wild Cards einstellt, wird besser für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet sein als die Trendanhänger. 

In Anlehnung an ein internationales Forschungsprojekt im Aufgabenbereich der Zukunftsforschung(iKnow Projektseite), an dem, zusammen mit Projektpartnern aus europäischen Ländern, auch die deutsche Z_punkt  GmbH mitarbeitete, wurden Ideen gesammelt, die in Szenarien verwendet werden könnten. Science Fiction oder Wissenschaftsthriller sind mögliche Quellen solcher Ideen.
Um auch mit der Hilfe der SF-Fans die große Zahl von SF-Quellen (ca. 600 – 700 SF-Titel erscheinen derzeit jährlich alleine in Deutschland) zu durchsuchen, entstand diese Webseite.
 
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Links:
Z_punkt GmbH
iKnow Projektseite
Interview zur Zukunftsforschung mit K.-H. Steinmüller bei Schriftsonar
Interview zum „I Know Futures“-Projekt mit Rafael Popper

Dr. Karlheinz Steinmüller bei einem Vortrag auf dem Penta-Con 2009 in Dresden

Dr. Karlheinz Steinmüller bei einem Vortrag auf dem Penta-Con 2009 in Dresden

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